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3 Min. Lesezeit

Die drei Messwerte, die eine Website langsam wirken lassen

Langsam sind drei verschiedene Beschwerden: spät sichtbar, träge bei der Berührung, springend beim Aufbau. Jede hat ihren eigenen Messwert und ihre eigene Ursache.

Furkan ÇolakDeveloper

Das weiße Zifferblatt einer mechanischen Stoppuhr aus den 1970er-Jahren mit Sekundenzeiger und kleinem Hilfszifferblatt.
„Ca 1970 mechanical stopwatch by Herwins Switzerland“ von R. Henrik Nilsson, CC BY 4.0, über Wikimedia Commons. Auf 3:2 beschnitten.

„Die Seite ist langsam“ beschreibt nicht eine Sache. Mal erscheint die Seite spät, mal erscheint sie und reagiert nicht auf eine Berührung, mal springt der Inhalt beim Aufbau herum. Drei verschiedene Probleme und drei getrennte Messwerte.

Drei Messwerte, drei Beschwerden

Die drei Werte, die Google als Core Web Vitals zusammenfasst, entsprechen genau diesen drei Beschwerden.

LCP misst, wann das größte Inhaltselement der Seite erscheint. Als gut gilt ein Wert innerhalb von 2,5 Sekunden. Dieses Element ist meist ein Titelbild oder ein Überschriftenblock, also der Moment, den Besucher als „geöffnet“ empfinden.

INP misst, wie lange nach einer Interaktion die Anzeige aktualisiert wird. Als gut gelten 200 Millisekunden oder weniger. Das Antippen eines Menüs und dessen Öffnen fällt darunter.

CLS misst, wie stark sich Inhalte während des Aufbaus verschieben. Als gut gilt 0,1 oder weniger. Der Absatz, den man gerade zu lesen begonnen hat und der nach unten rutscht, ist genau das, was diese Zahl zählt.

Google bewertet dabei das 75. Perzentil der Seitenaufrufe, getrennt nach Mobil und Desktop. Gemessen wird also kein Durchschnitt, sondern die schlechteste Erfahrung, in der drei Viertel der Besucher noch liegen.

Was der Durchschnitt verdeckt

Dieses Perzentil ist wichtig, weil Durchschnittswerte Langsamkeit zuverlässig verdecken.

Kommt die Hälfte der Besucher über eine schnelle Verbindung und ein Viertel über ein schwaches Mobilfunknetz, kann der Durchschnitt gut aussehen. Das 75. Perzentil zeigt die Grenze dieses schwachen Viertels, und von dort kommen die Beschwerden.

Praktisch heißt das: ein Test auf dem eigenen Rechner über die Büroleitung ist keine Messung. Gemessen wird mit Felddaten echter Besucher.

Die typische Ursache je Wert

Jeder der drei Werte hat eine vertraute Ursache, und auf den meisten Websites sind es dieselben.

LCP scheitert meist am Titelbild: unkomprimiert, größer als der Bildschirm braucht, dem verzögerten Laden überlassen. Nichts im ersten sichtbaren Bereich sollte verzögert geladen werden; eine Verzögerung dort landet direkt im Messwert.

INP scheitert meist an einem ausgelasteten Haupt-Thread. Analyse-, Chat- und Marketingskripte, die beim Öffnen laufen, stellen sich vor die Berührung der Nutzerin. Die Zahl der Skripte zu senken verändert die Erfahrung ebenso wie den Wert.

CLS scheitert meist an Inhalten ohne angegebene Größe. Bilder ohne Breite und Höhe, später geladene Schriften, nachträglich eingefügte Hinweisleisten. Alle drei verschieben nichts mehr, sobald ihr Platz vorher reserviert ist.

In welcher Reihenfolge

Alle drei gleichzeitig anzugehen führt zum Verzetteln. Die Reihenfolge sieht meist so aus.

Zuerst CLS, weil es am günstigsten und am sichtbarsten ist. Bildern Maße zu geben und das Laden der Schriften zu korrigieren ist auf den meisten Websites Arbeit von wenigen Stunden.

Dann LCP, weil es die meisten Beschwerden erzeugt. Das Titelbild in der richtigen Größe auszuliefern und bevorzugt zu laden kann den Wert allein unter die Schwelle bringen.

Zuletzt INP, weil es am schwersten ist. Die Arbeit dort ist selten eine Codeänderung, sondern eine Entscheidung: welches Drittanbieterskript auf der Website bleiben darf.

Den Messwert nicht mit dem Ziel verwechseln

Eine Warnung zum Schluss. Diese drei Zahlen sind Indikatoren der Erfahrung, nicht die Erfahrung selbst.

Eine Website kann alle drei Schwellen erreichen und trotzdem schwer zu benutzen sein. Der Text ist unleserlich, die Schaltflächen sind schwer zu finden, das Formular sagt bei einem Fehler nicht, was los ist. Davon sehen die Messwerte nichts.

Die drei Zahlen verkürzen also die Liste der Dinge, die zu beheben sind. Sie vervollständigen sie nicht.

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